Herzlich willkommen

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Mose war mit dem Volk Israel unterwegs. Ins verheißene Land wollten sie, dort wo Milch und Honig fließen. Sie wanderten durch die Wüste: die Füße schwer, das Essen immer knapper, die Tiere durstig. Und es kam, wie es kommen musste. Das Murren begann. Mose ist erschöpft. Der Auftrag erdrückend, das Volk störrisch, die Wüste endlos. Hat das alles überhaupt noch einen Sinn, fragt Mose sich? Er will Klarheit, will wissen, woran er sich im Glauben klammert. Mose will Gott sehen, einmal von Angesicht zu Angesicht.

Endlich Klarheit erlangen darüber, woran man sich im Glauben klammert. Endlich herausgeholt werden aus den Zweideutigkeiten und Widersprüchen des Glaubens, die sich nicht klären lassen. Auf all die Fragen nach dem Warum endlich eine Antwort bekommen. Wer bist du Gott? Wer bist du, der du dem Grauen auf der Welt kein Ende setzt? Wer bist du, dass du Menschen in dieser Welt voller ungelöster Fragen zurücklässt? Die Unsichtbarkeit Gottes kann doch auf Dauer kein Mensch aushalten. Die Unsichtbarkeit Gottes macht uns kaputt, wie es Dietrich Bonhoeffer drastisch formulierte.

Und Mose hat Gott angefleht. Er will Gott schauen. Er hofft, endlich Antworten auf seine Fragen zu bekommen, Stärkung im Ungewissen, Kraft für den weiten Weg. Mose braucht ein Bild von Gott. So wie wir Bilder von Gott brauchen, um uns das Unvorstellbare vorstellbar zu machen. Und wir machen uns Bilder von Gott. Wir reden gern in Bildern. Und auch die Bibel ist voll von Bildern. Dort wird Gott Vater und König genannt, Richter und Arzt, aber auch Mutter und Quelle, Bärin und Glucke. Und wir ahnen, keines der Bilder kann ihn fassen, keines ist wirklich angemessen.

Und Gott spricht zu Mose: „Ich will vor deinem Angesicht all meine Güte vorübergehen lassen.“ … all meine Güte. Eigentlich müsste man übersetzen: all mein Gutes und Schönes, all das, was das Leben reich macht und erfüllt. Mich erfüllt die Schönheit der Schöpfung, die Früchte, die uns die Erde und der Himmel schenkt, die Blumen, das Rauschen des Meeres, die Sonne über den Berggipfeln und auch die Freundlichkeit zwischen den Menschen. All die Schönheit des Lebens, der Natur und Kultur lässt mein Herz springen und macht meine Seele weit.

Und was erfüllt Ihr Herz in dieser lieben Sommerzeit?

Sabine Ernst
Pfarrerin in der Michaelkirchengemeinde


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