Herzlich willkommen

„Wenn Jesus - und das ist unser Glaube - gestorben und auferstanden ist, dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen zusammen mit ihm zur Herrlichkeit führen“ (1. Thess. 4,14)

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

traurig sind viele Herbstgedichte. Von kahlen Feldern und einsamen Wegen ist die Rede, vom Fallen und Vergehen. Und es stimmt ja auch: Die warmen Sommertage, die langen Abende im Garten, die leichten Kleider und die Leichtigkeit der Seele – vorbei. Bunte Blätter fallen, graue Nebel wallen, der Sommer war sehr groß – so klingt der Herbst-Blues.

Am liebsten möchte ich die bunten Blätter an ihren Ästen festkleben. Als würde das etwas ändern, dass das Leben längst aus ihnen gewichen ist. Jeder weiß, sie müssen fallen, damit neues Leben entstehen kann: Im Humus, der den Boden düngt, und auch in den Ästen, die Platz brauchen für die neuen Triebe. Die Blätter wandeln sich – wandeln ihre Gestalt, ihre Konsistenz. Aber sie gehen nicht verloren. Noch im Fallen haben sie Zukunft.

Weil Jesus das Leid erfahren hat und es auf sich nimmt, belädt er sich mit all unseren Sünden. Er fällt, stirbt und steht wieder auf. Indem er auferstanden ist, sagt er uns, wie sehr uns Gott im Auge behält. Keiner gerät aus seinem Blickfeld. „Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält“, schreibt Rainer Maria Rilke. Mit dem Tod fällt ein Mensch nicht in ein Nichts, sondern nicht tiefer als in Gottes Hand. Wir dürfen loslassen, müssen nicht krampfhaft festhalten, was längst nicht mehr lebensfähig ist: Liebe Menschen genauso wie unhaltbare Situationen und überlebte Strukturen. Doch dies ist nicht so leicht getan wie gesagt: Wenn wir etwas in der Hand haben, was uns lieb und teuer ist, werden wir uns bemühen, einen Platz zu finden, wo dieser Gegenstand nicht herunterfallen und Schaden nehmen kann. Einen Menschen loszulassen, aus dem eigenen Lebensbereich freizugeben, kann ich darum nur, wenn ich einen Ort habe, wo er hingehört und er nicht herunterfällt.

Wer es wagt auf Gott zu vertrauen, der darf gewiss sein, dass unsere Verstorbenen in Gottes Hand einen festen Ort haben. Einen Ort zu wissen, erleichtert nicht den Schmerz des Verlustes, nimmt nicht die Trauer. Aber er eröffnet uns im Leben einen neuen Raum, gibt uns einen Ort für unsere Verstorbenen und auch für uns selbst. Ich kann loslassen, bin traurig und fange neu an. Sobald wir neu anfangen, glauben wir, dass Gott uns wieder Leben bringen wird. Anders, neu – wie die frischen Triebe im Frühling, der bestimmt kommen wird.

Bleiben Sie behütet!
Pfrn. Sabine Ernst


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