Andacht von Vikar Kschenka

Liebe Geschwister,

es gibt Verse in unserer Bibel, die beim schnellen Lesen beinahe beiläufig wirken – und uns doch bis ins Mark treffen. Ein solcher Satz steht im letzten Kapitel des Hebräerbriefs:

„Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib.“

– Hebräer 13,3

Er steht an einer Stelle, an der eigentlich nur noch letzte Hinweise und Grüße folgen. Gerade deshalb wirkt er umso eindringlicher. In welcher Welt lebten Christen, wenn ein solcher Satz fast selbstverständlich erscheint?

Spätestens seit den Verfolgungen im Römischen Reich mussten frühe Christen damit rechnen, ausgegrenzt, misshandelt oder gefangen genommen zu werden. Christlicher Glaube war kein sicherer Weg. Und doch richtet der Hebräerbrief den Blick nicht zuerst auf Angst, sondern auf Verbundenheit.

„Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen.“

Das ist mehr als Mitleid. Der Brief erinnert daran, dass wir selbst verletzliche Menschen sind: „Denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib.“ Wer Angst, Schmerz oder Ohnmacht kennt, kann die Leidenden nicht einfach vergessen.

Auch heute bleibt dieser Vers erschreckend aktuell. Weltweit erleben Christen Verfolgung und Diskriminierung. Manche Gemeindeglieder erinnern sich vielleicht noch an Benachteiligungen in der DDR-Zeit. Doch der Satz bleibt bewusst offen: Er spricht nicht nur von christlichen Gefangenen, sondern von allen Misshandelten und Entrechteten.

Darauf antwortet der Monatsspruch des Juli wie eine Hoffnung gegen das Unrecht:

„Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“

– Amos 5,24

Ihr Vikar Martin Kschenka

Ansprechpartner:
Vikar Martin Kschenka
1. Juni 2026
Martin Kschenka
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