Es lebte in Spremberg eine Persönlichkeit, die im Laufe der Geschichte die Stadt für einen bestimmten Zeitabschnitt geprägt hat – Herzog Heinrich von Sachsen-Merseburg (1661-1738). Wenn der Besucher die Kreuzkirche betritt, erkennt er an der 1692 entstandenen Herrschafts- und Patronatsloge den engen Bezug des Herzogs zur Kirche und zur Stadt. Geht man durch die Straßen, trifft man auf die Spuren von dem, der die Linie Sachsen-Merseburg-Spremberg begründete, nachdem ihm sein Bruder Christian II. von Sachsen-Merseburg Stadt und Schloss 1692 als eigenen Herrschaftsbereich zugeeignet hatte. Er residierte von 1692 bis 1731 in Spremberg, was zu einer wirtschaftlichen und kulturellen Blüte führte.
Beginnen wir unseren Rundgang an der Kreuzkirche. Der in dem großen Stadtbrand von 1705 zerstörte obere Turmaufbau, der 1509 in ihrer jetzigen Form erbauten imposanten Kreuzkirche, konnte mit finanzieller Unterstützung des Herzogs als Patronatsherr der Kirche durch einen barocken Turmaufsatz bis 1732 ersetzt werden. Auch nach dem gewaltigen Gewitterunwetter im Jahr 1735 war es wieder der Herzog, der in seiner Verbundenheit mit Kirche und Stadt zur Beseitigung der Schäden an der Kirche beitrug.
Wir setzen unseren Rundgang fort und kommen am Schloss vorbei. Ein echter Hingucker! Das Schloss, im 11. Jahrhundert als romanische Wasserburg entstanden, ließ der Herzog 1694 zur barocken Vierflügelanlage als sein Residenzschloss ausbauen. Bei einem Abstecher in die Lange Straße fällt das Kavalierhaus gegenüber des Bullwinkels auf. Es wurde um 1700 erbaut und diente dem Herzog und seinem Gefolge als Gästehaus. Aber außer markanten Gebäuden erinnern auch einfache Dinge an ihn. So ließ er z.B. einen Lustgarten anlegen und geblieben sind die Straßenbezeichnungen Lustgartenstraße und Heinrichstraße. Oder der Ortsteil Heinrichsfeld, der nach seinem bevorzugten Jagdgebiet benannt wurde.
Beenden wir den Rundgang an der Kreuzkirche. 1726 erfolgte durch den Herzog Heinrich die Einladung des Komponisten Johann Theodor Römhild, ein Vertreter der Kirchenmusik des norddeutschen Barocks, zur Tätigkeit als Hofkapellmeister. Römhild, der von 1708 bis 1715 bereits Kantor der Kreuzkirche war, kehrte somit nach Spremberg zurück. 1731 ging Herzog Heinrich als letzter Erbe seiner Linie nach Merseburg zurück.
Aribert Strehlow